Live aus Windhoek

Gestatten, Marcel Pauly. In diesem Blog habe ich 2011 über die Erlebnisse und Erfahrungen während meines Radio-Praktikums im südwest-afrikanischen Namibia geschrieben. Von Juli bis Oktober lebte ich in der Hauptstadt Windhoek und arbeitete beim Deutschen Hörfunkprogramm (German Service) der Namibian Broadcasting Corporation (NBC).

48 Stunden

Die Landebahn tauchte auf wie aus dem Nichts, eine Sekunde später setzte das Flugzeug auch schon auf. Normalerweise erkennt man bei nächtlichen Landungen ja schon Minuten vorher die Lichter der Stadt. Hier nicht. Namibia ist das am dünnsten besiedelte Land Afrikas, der Flughafen liegt ein gutes Stück außerhalb der Hauptstadt Windhoek. Und so war mein erster Eindruck von dem Land, in dem ich die nächsten drei Monate verbringen werde, ein großes, dunkles Nichts. Die folgenden 48 Stunden sollten diesen ersten Eindruck korrigieren.

Die Einreise erwies sich als suboptimal vorbereitet. Die Dame vom Zoll wollte mein sogenanntes Visum nicht anerkennen. Den schlecht eingescannten Wisch habe ich von einer namibischen Agentur gemailt bekommen, die sich auf Visa spezialisiert hat – also kein Problem, dachte ich. Doch auf meinem Ausdruck war der offizielle Ministeriumsstempel nicht zu erkennen. Macht nichts, dachte ich, schließlich habe ich den Scan noch als Datei auf meinem Laptop. Doch auch da war nichts zu erkennen. Nächster Versuch: Ich präsentierte der Dame eine von mir nebenher mit Photoshop bearbeitete Version, mit voll aufgedrehtem Kontrast. Der Stempel war tatsächlich zu erkennen, nur das Stempel-Datum blieb unlesbar. Ich bereitete mich schon innerlich darauf vor, wieder nach Deutschland fliegen zu müssen, doch als der Rest der Fluggäste abgearbeitet war, wandte sich die Zoll-Dame noch ein letztes Mal mir zu, hackte minutenlang auf ihre Tastatur ein, suchte offenbar irgendeinen Eintrag in ihrem Rechner, fand ihn schließlich und sprach die erlösenden Worte: „You are so lucky!“ Ich war drin.

Mit dem Taxi ging’s zur Praktikantenwohnung, wo mich schon meine Mitpraktikanten Uli und Thomas erwarteten. Luxuriös ist die frühere Garage sicherlich nicht, aber drei Monate werden sich hier sehr gut aushalten lassen. Innenstadt und Sender sind fußläufig zu erreichen, und so ging’s erst einmal in die Redaktion. Erste Erkenntnis: Auf Vorurteile ist kein Verlass. Die Studios hier bei der NBC sind überraschend modern eingerichtet und können locker mit kleineren Stationen in Deutschland mithalten.

Sieht man zu sehr nach Touri aus, passiert es einem abends in Windhoek schon mal, von der Polizei aufgegabelt und nach Hause gefahren zu werden. Vermutlich, weil Namibia daran gelegen ist, im Ausland nicht immer mit hoher Kriminalität in Verbindung gebracht zu werden. Was auch schon mal passieren kann, ist, dass man im Restaurant den Premierminister von Angola trifft, natürlich ohne ihn zu erkennen, sodass man sich wundert über die vielen kräftigen Herren in Anzügen, die über den Raum verteilt herum stehen und den Tisch des Premiers bewachen, bis der sich höflich von den Mitspeisenden verabschiedet und an unserem Tisch vorbei, uns zulächelnd und nickend, in Richtung Tür schreitet. Erst die Kellnerin klärte uns darüber auf, wem wir da gerade freundlich zurückgenickt hatten.

2 Kommentare

  1. Gerhard Großmann
    31. Juli 2011, 14:41 Uhr

    Habe gerade deinen Feed gefunden und unter meine Lesezeichen gemischt. Ich freue mich sehr darauf, von deinen Erfahrungen zu lesen. Danke, dass du uns an deinem Namibia-Aufenthalt teilhaben lässt! Wünsche dir viele interessante Erfahrungen, nette Kollegen und eine schöne Zeit in Afrika.

  2. Jeanette Schindler
    1. August 2011, 05:52 Uhr

    Hallo Marcel, wie schön von Dir zu hören. Bin auch schon ganz gespannt auf Deine Afrika-Geschichten. Schreib so oft Du kannst. Und schick viele Bilder. Das mit Deiner Einreise war ja eine echte Zitterpartie, aber ich seh schon: Du bist auf alles vorbereitet. Liebe Grüße, Jeanette

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