Live aus Windhoek

Gestatten, Marcel Pauly. In diesem Blog habe ich 2011 über die Erlebnisse und Erfahrungen während meines Radio-Praktikums im südwest-afrikanischen Namibia geschrieben. Von Juli bis Oktober lebte ich in der Hauptstadt Windhoek und arbeitete beim Deutschen Hörfunkprogramm (German Service) der Namibian Broadcasting Corporation (NBC).

Hier spielt die Musik

Während die Hörer des Deutschen Hörfunkprogramms regelmäßig einen höheren Anteil deutscher Lieder einfordern (und damit meinen sie selbstverständlich Schlager und Volksmusik), spielen viele der englisch- und afrikaanssprachigen Radiosender in Namibia vorzugsweise us-amerikanische Pop-Musik. Hin und wieder aber kann man als Nicht-Namibier auch mal etwas Neues entdecken.

Was hier im Radio zur Zeit rauf- und runtergenudelt wird, ist der Song „Black Girl, White Boy“ vom weißen Musiker Stefan Ludik, der im Musikvideo mit dem schwarzen Model Elizabeth Valomboleni intim wird. Der Song sorgte hier für viel Furore, er trifft das Land an einem wunden Punkt: Zwar leben die vielen verschiedenen Volksgruppen Namibias überwiegend friedlich in diesem künstlichen Vielvölkerstaat miteinander, doch von einer echten namibischen „Nation“ kann noch keine Rede sein. Gerade viele Ältere sind sehr konservativ eingestellt, was Beziehungen zwischen Menschen unterschiedlicher Ethnien angeht. Hinzu kommen Szenen im Musikvideo, die vielen zu explizit sind. Einige werfen Ludik gar vor, einen Porno produziert zu haben.

Zwei Monate lang durften wir bei der NBC die Musik von Lady May nicht spielen. Grund war der Eklat bei der Verleihung der diesjährigen Namibia Music Awards, wo sie sich mit Stinkefinger und einem herzlichen „Motherfuckers“ für den Preis bedankte, den Sie daraufhin gleich wieder zurückgeben durfte, inklusive dem Preisgeld in Höhe von umgerechnet rund 2.000 Euro.

The Dogg zählt zu den namibischen Pionieren des noch recht jungen Musikgenres Kwaito, das sich in den vergangenen 20 Jahren im südlichen Afrika verbreitet hat. Die Musik schallt einem hier aus fast jedem Taxi entgegen und klingt für Europäer wie ein lebhafter Cocktail aus Hip Hop, Reggae und R‘n'B. Die Afrikaner sind sich sicher: Kwaito ist etwas völlig eigenständiges.

Ich glaube, Ees sieht sich als singender Botschafter Namibias. Der deutschstämmige Musiker textet seine Songs überwiegend in typischem Nam-Slang, einer wilden Mischung aus Deutsch, Englisch und Afrikaans. Gerade bei jungen Deutschnamibiern kommt er damit gut an. Inzwischen lebt Ees nicht mehr nur in Namibia, sondern auch in Deutschland, wo er die namibische Musik populär machen will – zum Beispiel als Kandidat in TV-Shows: Vor drei Monaten war er beim Perfekten Dinner (VOX) und bei Rette die Million (ZDF).

Hip Hop made in Windhoek: Kanibal zählt zu den erfolgreichsten Rappern Namibias. Im Song „Corner“ besingt er die Hauptstadt und das Leben im Viertel Katutura. Hat ein bisschen was Gangsta-Mäßiges.

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