Live aus Windhoek

Gestatten, Marcel Pauly. In diesem Blog habe ich 2011 über die Erlebnisse und Erfahrungen während meines Radio-Praktikums im südwest-afrikanischen Namibia geschrieben. Von Juli bis Oktober lebte ich in der Hauptstadt Windhoek und arbeitete beim Deutschen Hörfunkprogramm (German Service) der Namibian Broadcasting Corporation (NBC).

Namibische Presseschau, KW 35

Diesmal mit streitenden Hereros, schwierigen inner-afrikanischen Abhängigkeiten, einem Niebel-Nachklapp und einem Machtkampf beim südlichen Nachbarn.

Am vergangenen Wochenende feierte die Volksgruppe der Herero in Okahandja, einem Städtchen 75 Kilometer nördlich der Hauptstadt Windhoek, den „Hererotag“, an dem sie der Gefallenen des Herero-Aufstandes gegen die Deutschen gedenken. Dabei kam es in diesem Jahr zu Auseinandersetzungen zwischen unterschiedlichen Herero-Gruppen. (Allgemeine Zeitung) Obwohl ich – privat, nicht journalistisch – vor Ort war, habe ich von dem Streit nichts mitbekommen. Was aber auch daran liegen könnte, dass ich dem Tross von Menschen mit ein wenig Abstand gefolgt bin und so von den – offenbar sehr provokanten – Grabreden akkustisch nicht viel mitbekommen habe.

Verwirrt beobachten viele Namibier, wie schwer sich ihre Regierung und auch die anderer afrikanischer Staaten weiterhin tun, mit dem Machtwechsel in Libyen umzugehen. Die Allgemeine Zeitung analysiert die „Ambivalenz Afrikas gegenüber dem Sturz Gaddafis“. Bei der Libyen-Konferenz in Paris diese Woche hat die Afrikanische Union übrigens mitgeteilt, den Übergangsrat der libyschen Rebellen weiterhin nicht anzuerkennen. (Focus Online)

Dirk Niebel, der deutsche Minister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, war, wie schon vergangene Woche angekündigt, zu Besuch in Namibia, hat sich über verschiedene deutsche Projekte hier im Land informiert und wichtige Personen getroffen. (Allgemeine Zeitung 1/2/3/4, Reutlinger General Anzeiger)

Beim großen Bruder Südafrika entscheidet sich in diesen Tagen möglicherweise der Machtkampf zwischen Jacob Zuma, dem Staatspräsidenten und Parteichef des regierenden ANC, und Julius Malema, dem Vorsitzenden der ANC-Jugendliga. Malema muss sich vor einem Parteigericht verantworten, weil er mit regelmäßigen Provokationen den ANC in Verruf gebracht haben soll. Gerade bei jungen, armen Südafrikanern gilt Malema aber als populär und wird als Nachfolger Zumas gehandelt. Und das, obwohl der linke Parolen schwingende Malema selbst im Reichtum lebt und sich wegen schwerer Korruptionsvorwürfe verantworten muss. In der vergangenen Woche kam es in Johannesburg immer wieder zu Ausschreitungen zwischen Malema-Anhängern und der Polizei. (taz.de, Spiegel Online, Tagesspiegel)

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