Live aus Windhoek

Gestatten, Marcel Pauly. In diesem Blog habe ich 2011 über die Erlebnisse und Erfahrungen während meines Radio-Praktikums im südwest-afrikanischen Namibia geschrieben. Von Juli bis Oktober lebte ich in der Hauptstadt Windhoek und arbeitete beim Deutschen Hörfunkprogramm (German Service) der Namibian Broadcasting Corporation (NBC).

„Und, wie war Afrika?“

Vor genau fünf Wochen betrat ich wieder deutschen Boden. Es ist also langsam mal an der Zeit, mit einer gewissen Distanz zurückzublicken, zu resümieren und dieses Blog zu einem vorläufigen Abschluss zu bringen. Der Versuch eines Fazits.

Viele Menschen, die mich nach meiner Rückkehr zum ersten Mal wiedersahen, empfingen mich mit der Frage: „Und, wie war Afrika?“ Für die meisten war ich nämlich nicht in Namibia gewesen, sondern in Afrika. Viele konnten sich das genaue Land auch gar nicht merken. Und es wäre Quatsch, ihnen das vorzuwerfen. Denn wird im arabischen Norden des Kontinents nicht gerade ein Diktator gestürzt oder im Süden eine Fußball-WM zelebriert, passiert etwas Eigenartiges: In der öffentlichen Wahrnehmung verschmelzen Kontinent und Länder, sind scheinbar deckungsgleich wie im Fall Australien. Und wenn uns mal ausnahmsweise Nachrichten von diesem verschwommenen geografischen Gebilde erreichen, dann sind es nahezu ausschließlich Meldungen über Hungersnöte, AIDS oder Bürgerkriege.

Dass Afrika sehr viel heterogener ist als sein Bild in Europa, begreift man erst so richtig, wenn man dort war. Für diese Erkenntnis bin ich dankbar. Ja, es gibt furchtbare Armut in Afrika, auch in Namibia, und es ist richtig, das zu thematisieren. Aber den Kontinent konsequent auf Armut zu reduzieren, wird ihm einfach nicht gerecht. Viele Europäer halten das Leben in Afrika für weniger lebenswert als hierzulande. An diesem Bild muss sich dringend etwas ändern!

Für mich war das Leben in Windhoek eine durchweg positive Erfahrung. Es war Alltag: meine tägliche Radio-Sendung beim Deutschen Hörfunk, meine Wohngemeinschaft mit Thomas, und die Hupkonzerte der Taxifahrer, die Ausschau nach Fahrgästen halten. Genauso wie das „How are you?“ bei der Begrüßung Wildfremder, das Gebell der unzähligen Wachhunde, ja selbst das einlagige Klopapier – all das war Alltag. Am Ende der drei Monate hatte mein namibisches Leben eine Routine erreicht, bei der ich kein Problem gehabt hätte, auf unbestimmte Zeit zu verlängern. Und so steht für mich fest: Früher oder später komme ich wieder.

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