Live aus Windhoek

Gestatten, Marcel Pauly. In diesem Blog habe ich 2011 über die Erlebnisse und Erfahrungen während meines Radio-Praktikums im südwest-afrikanischen Namibia geschrieben. Von Juli bis Oktober lebte ich in der Hauptstadt Windhoek und arbeitete beim Deutschen Hörfunkprogramm (German Service) der Namibian Broadcasting Corporation (NBC).

Was mit namibischen Medien

Drei Monate lang Radio machen in Namibia – da lernt man natürlich auch die namibische Medienlandschaft kennen. In einem Gastbeitrag für den Podcast Was mit Medien stelle ich sie euch vor:

(Der Gastbeitrag lief in Folge 259.)

Ergänzung, 05.04.2012: Im Pressefreiheitsindex 2011 von Reporter ohne Grenzen konnte sich Namibia um einen Rang auf Platz 20 verbessern (zum Vergleich: auch Deutschland verbesserte sich, von Platz 17 auf 16), musste mit Blick auf den afrikanischen Kontinent aber die Spitzenposition an den Inselstaat Kap Verde (von Platz 26 auf 9) abgeben. Trotz des guten Rankings äußerte die Menschenrechtsorganisation Namrights deutliche Kritik an den namibischen Medien: Sie seien zu elitär und volksfern, sodass sie oft am Rezipienten vorbei berichteten. Außerdem bedauerte Namrights, die Journalisten gingen zu zaghaft mit der Regierung um. Die Medien seien ihr gegenüber zu unkritisch und zensierten sich häufig selbst.

Wer sich intensiver mit dem Mediensystem Namibias befassen möchte, dem empfehle ich die Diplomarbeit Media System and News Selection in Namibia von Andreas Rothe, der übrigens Anfang 2008 auch NBC-Praktikant war. Das Buch gibt’s für 24,90 Euro, etwa bei Amazon oder auch direkt beim LIT Verlag (dort auch als E-Book für 19,90 Euro erhältlich). Einen ersten Einblick ins Buch bietet Google Books.
Einen sehr guten Überblick gibt auch die Publikation Media Ownership and Legislation in the Republic of Namibia: 1990 – 2007 der Nichtregierungsorganisation MISA (Media Institute of Southern Africa), die sich für eine freie und vielfältige Medienlandschaft im südlichen Afrika einsetzt.

Ergänzung, 01.06.2012: Im Juli bekommt der staatliche German Service private Konkurrenz: Mit Hitradio Namibia geht das erste kommerzielle Hörfunk-Programm an den Start, das überwiegend in deutscher Sprache sendet. Den Gründer Wilfried Hähner konnte ich während meines Namibia-Aufenthalts im vergangenen Jahr persönlich kennen lernen, er war früher selbst lange für das Deutsche Hörfunkprogramm der NBC tätig. Es verwundert nicht, dass sich Hitradio Namibia in den ersten Ankündigungen als bewusster Gegenentwurf zum bestehenden deutschsprachigen Radio-Angebot positioniert: jüngere Zielgruppe (15-65 Jahre), breiterer Musikmix (auch mit einheimischen Künstlern, ich hoffe auf den vollständigen Verzicht von deutschen Schlagern), größerer Fokus auf nationale Nachrichten (Nachrichten gibt es beim German Service nur drei Mal am Tag), interessante Kooperationen (etwa mit dem Musik-Format Radio Goethe). Ich werde mit Spannung verfolgen, wie sich Hitradio Namibia entwickelt und welche Auswirkungen die Sendergründung auf das Deutsche Hörfunkprogramm der NBC haben wird. (weitere Infos: Allgemeinen Zeitung, Namibia Economist, Informanté)

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