Live aus Windhoek

Gestatten, Marcel Pauly. In diesem Blog habe ich 2011 über die Erlebnisse und Erfahrungen während meines Radio-Praktikums im südwest-afrikanischen Namibia geschrieben. Von Juli bis Oktober lebte ich in der Hauptstadt Windhoek und arbeitete beim Deutschen Hörfunkprogramm (German Service) der Namibian Broadcasting Corporation (NBC).

Wo sich Löwe und Giraffe „Gute Nacht!“ sagen

Das größte wirtschaftliche Potenzial Namibias – da sind sich fast alle einig – liegt im Tourismus. Das Land ist nicht nur landschaftlich unfassbar beeindruckend, sondern begeistert gerade Safari-Fans mit seiner Tier-Vielfalt. Zum Beispiel im Etosha-Nationalpark im Norden Namibias.

Selbst als Safari-Muffel wollte ich mir Etosha einmal anschauen. Richtige Entscheidung! Zusammen mit Peter, Praktikant bei der Allgemeinen Zeitung, habe ich das Wildschutzgebiet am vergangenen Wochenende erkundet. Das Tolle: Man quetscht sich nicht in irgendwelche Touri-Massentransporter, in denen man von einem Hotspot zum nächsten gejagt wird, sondern man kann den Nationalpark mit dem eigenen (gemieteten) Wagen durchqueren und dabei die verschiedensten Tierarten entdecken – mal an den ausgewiesenen Wasserstellen, mal direkt am Straßenrand.

Giraffen sind unfassbar majestätische Tiere. Ihre Köpfe thronen in überlegener Höhe und beugen sich nur ab und an gemächlich nach unten, um gekonnt das saftige Grün von seinen dornigen Zweigen zu züngeln. Der einzige Augenblick, in dem Giraffen aber geradezu entstellt wirken, ist der, in dem sie sich mit ihren Stelzen-Beinen an der Wasserstelle herunter bücken müssen, um zu trinken.

Was man relativ häufig in Etosha sieht, sind – wie ich sie nennen würde, als jemand, der im Biologie-Unterricht nicht aufgepasst hat – „Tiere mit Hörnern“. Zum Beispiel der noch recht unspektakuläre Springbock, die schmackhafte Oryx-Antilope und der büffel-ähnliche Gnu.

„Richtige“ Büffel gibt es in Etosha hingegen nicht, sodass man in diesem Nationalpark „nur“ vier der Big Five treffen kann: den Elefanten, den Löwen, das Nashorn und den Leoparden. Letzterer wird in Etosha aber nur äußerst selten gesichtet. Wir waren wohl nur ein paar Minuten davon entfernt, einen solchen seltenen Moment mitzuerleben: Ein älteres Ehepaar, das seit 33 Jahren hier her kommt, erzählte uns, dass es kurz zuvor zum aller ersten Mal in dieser Zeit einen Leoparden entdeckt habe. „Ganz weit da hinten.“ Verpasst.

Aber drei der Big Five konnten wir mitnehmen, allen voran den Elefanten – in der afrikanischen Ausführung, versteht sich, also der mit den großen Ohren und nicht der kleinohrige, indische Kollege.

Besonders spannend ist es, Elefanten am Wasserloch beim „Sandbaden“ zuzusehen: Zuerst heißt es Trinken und Plantschen, dann wird’s staubig. Mit ihrem Rüssel saugen die Tiere Sand vom Boden auf und pusten ihn auf ihren nassen Körper. Ist die Pampe getrocknet, scheuern sich die Elefanten an Bäumen, um so Parasiten abzurubbeln.

Bei den anderen beiden „Bigs“ hat dann leider die Kamera versagt. Die Löwen sind nur mit gutem Willen als solche zu erkennen und auf die Nachtaufnahme der Nashörner hätte ich gleich ganz verzichten können.

Nicht „Big“, aber trotzdem groß: die Zebras. Ähnlich wie bei den Giraffen fasziniert es, wie gelassen die Tiere auf den gaffenden Menschen reagieren und wie nah sie sich an die Wege heran trauen.

Auch das gehört zur Wahrheit: Während sich die Etosha-Besucher im Park selbst sehr breit zerlaufen, ist an den Wasserstellen der drei großen Camps immer High Life. Hobby- und Möchtegern-Fotografen tummeln sich in Scharen um die trinkenden und sich suhlenden Urlaubsmotive. Auch wenn ich mich in den vergangenen neun Wochen stets als arbeitender Gast in diesem Land gefühlt habe – hier kam ich mir zum ersten Mal wie ein richtiger Tourist vor.

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